Leben und Bedürfnisse

 

Wer oder was steuert dein Leben?

Im letzten Beitrag hast du etwas darüber erfahren, wie deine Bedürfnisstruktur gezielt ausgenutzt wird, um dein Großhirn zu umgehen bzw. zu manipulieren.

Wenn du den Beitrag noch nicht gelesen, bzw. auch den Filmbeitrag dazu noch nicht gesehen hast möchte ich dir beides nochmal wärmstens ans Herz legen. Es geht dabei um deine Gesundheit, um dein Wohlbefinden, deine Finanzen …

Mit dem heutigen Beitrag möchte ich dir die Welt der Bedürfnisse noch etwas näher bringen.

Und das auf möglichst einfache und verständliche Weise.

Je besser du es verstehst, desto eher machen bestimmte Dinge und Handlungen Sinn und werden dadurch auch wiederum leichter handhabbar für dich.

Und nun zum limbischen System

Unser limbisches System, fälschlicherweise umgangssprachlich oft als Reptiliengehirn bezeichnet, ist erst durch die Spezies der höher entwickelten Tiere entstanden.

  • Zuerst gab es das Stammhirn  = Reptiliengehirn
    Entstehung vor rund anderthalb Milliarden Jahren
    Damals entstanden die ersten Mehrzeller. Nervenzellen ballten sich zusammen und bildeten so den Ursprung für das menschliche Stammhirn. Dieses sorgt für das Zusammenspiel der menschlichen Organe, regelt Hunger- und Durstgefühle. Es macht den Menschen in gefährlichen Situationen hellwach und sagt ihm, wann es zu heiß oder zu kalt ist.
  • Dann das Limbische System = Säugetiergehirn
    Entstehung vor rund einer Milliarde Jahren
    Das haben wir mit den höheren Tieren gemeinsam, wie den Hühnern, Ratten und Affen. Hier befinden sich die Grundmuster für Brutpflege, Sexualverhalten, Nahrungssuche, Verteidigung, Flucht und so weiter.
  • Und dann erst entwickelte sich unser Großhirn, das Zentrum unseres heutigen rationalen Denkens. Entstehung vor ca. 500 Millionen Jahren. Im Großhirn sind,  anders als im Stammhirn und dem limbischen System, keine Erfahrungen und Handlungsprogramme gespeichert, wie etwa die Angst des Huhns vor dem Fuchs oder das Grundmuster der Brutpflege.

Die drei verschiedenen Gehirnareale agieren mit unterschiedlichen Aufgaben und Vorlieben und agieren auch zusammen.

Das Großhirn ist dabei entwicklungsgeschichtlich das mit großem Abstand jüngste Areal dabei.

Deshalb spielen die älteren Geschwister im Grunde genommen den Hauptpart, das Jüngste meint aber, es hätte überwiegend alles unter Kontrolle ;-). Es hätte seinen eigenen Willen und könnte alles steuern!

Tja, vielleicht erlebst du auch diese Momente, in denen es nicht so ist!

Oder du meinst sogar, du hast es so gewollt! Doch ist das wirklich so?

Vielleicht kennst du solche Momente, in denen du plötzlich Argumente findest, doch noch länger auf der Party zu bleiben, als es sinnvoll wäre, plötzlich im Regal des Supermarktes nach etwas zu greifen, das nicht auf deinem Einkaufszettel stand oder in deiner Planung war. Oder Momente, in denen du Fehltritte begehst und dir dann etwas sagt wie „Wird schon gut gehen“, „Ist ja nicht so schlimm“, „Andere machen das auch“ …

Was passiert da?

Unser limbisches System versucht seine Aufgabe der Bedürfniserfüllung nachzukommen. Es sorgt dafür, dass die entsprechenden Hormone – Botenstoffe abgesandt werden, die dann zu einem Gefühl führen. Dein Blutdruck steigt und dein Herz pocht vor angenehmer Erregung und du bist leicht erregt, fasziniert und hast Lust, so richtig loszulegen …

An den Beschreibungen, die du wahrscheinlich auch kennst, siehst du wie unterschiedlich die Gefühle sein können. Die Unterschiede machen die unterschiedlichen Hormon-, Botenstoffcocktails.

Und dein Großhirn springt darauf an und sucht nach entsprechenden Gedanken! Gedanken wie Überzeugungen, Erfahrungen, Werte, Vorstellungen etc., die dazu passen könnten! Und das können ganz – ganz unterschiedliche sein! Manchmal tauchen sich widersprechende Gedanken auf – das nennt man dann auch Zweifel! Ein sehr komplexes System!

Und manchmal willst du einfach nur abhauen!

Das kennst du womöglich auch.

Verschieden Aussagen / GedankeneideneSchauen wir uns jetzt nochmals diese 3 Grundinstinkte / Grundbedürfnisse / Grundmotivationen an:

  • Überlebenstrieb – Dominanz
  • Herdentrieb – Nähe/Balance
  • Vergnügungstrieb – Stimulanz

 

Unsere 3 Grundinstinkte – Grundbedürfnisse sind dazu geschaffen, unser eigenes Leben und das unserer Spezies zu erhalten.

Die Dominanz hilft uns vorrangig, unser Leben zu sichern! Konkret heißt das, dass wir die Anzeichen für Gefahr sofort und automatisch wahrnehmen und uns schnell in Sicherheit bringen! Der Überlebensinstinkt reagiert dabei zum Teil mit Kampf, um uns und unsere Herde zu schützen! Das tun dann meist nur die dominantesten der Gruppe. Es gibt aber nicht nur den Kampf! Abhauen, wegrennen, macht total Sinn, wenn du weißt, dass deine Chance zu überleben sehr gering ist = Überlebensinstinkt. Weitere Möglichkeiten: Verstecken oder totstellen! Das kennst du wahrscheinlich alles aus deinem Leben! Gefahren entgegen zu treten, abzuhauen oder dich zu verstecken oder totzustellen ;-). Das Totstellen passiert häufiger in Prüfungen: Unser System fährt alles so weit runter, dass du nichts mehr weißt und regungslos bist – Black out.

Du siehst also, dieser Überlebensinstinkt ist grundsätzlich sinnvoll. Er reagiert zu deinem Schutz, in wirklichen Gefahren, aber auch in Situationen wie einer Prüfung, als wenn dein Leben tatsächlich in Gefahr wäre. Doch die Gefahren wie Mord, Überfälle und Straftaten, die das Überleben und unser Wohl gefährden, sind in unserem Umfeld  – hier in Deutschland und dem umliegenden Westeuropa – eher selten. Trotzdem ist unser System permanent aktiviert durch aufgebauschte Schreckensmeldungen und vermeintliche Todesgefahren. Wusstest du, die häufigsten Todesfälle werden hervorgerufen durch Herzinfarkt, falsche und zu viele Medikamente, zu viel Essen, zu viel Alkohol, zu wenig Bewegung, Stress, Haushaltsunfälle, zu schnelles Fahren im Straßenverkehr.  Doch daran bist du gewöhnt und du willst dir deine Freiheit auch nicht einschränken lassen.  Und solange daran gut verdient wird, wird auch selten vor den Gefahren gewarnt. Es sei denn, man kann damit Geld verdienen. Du siehst, die Medien, Politik, Werbung, Industrie spielen sehr stark zu ihrem Vorteil auf der Klaviatur deiner Instinkte.

Modernes Marketing: Bedürfnisse schlafen nur – man muss sie nur wecken. - Helmut Glaßl - Klick um zu Tweeten

Wie oft fühlt sich dein Überlebenssystem bedroht und springt an!?

Deshalb ist es so wichtig, echt wach zu sein und keine Rückschritte zu machen, wie wir es gerade in einigen Ländern erleben. Dort werden  vermeintliche Gefahren heraufbeschworen, um damit die Demokratie aus den Angeln zu heben.  Aber auch hier in Deutschland sehen wir gerade Tendenzen von solchen Rückschritten.  Alles Fremde wird als gefährlich dargestellt, es werden unwahre Behauptungen aufgestellt, die unser limbisches System und unsere Überlebensinstinkte massiv aktivieren, obwohl eine solch massive Gefahr gar nicht vorhanden ist.  Wie so etwas plötzlich aus dem Nichts entsteht, haben wir mit der Machtübernahme durch die Nazis und deren Gräueltaten erlebt. Am Ende wusste keiner, wie es dazu überhaupt kommen konnte.

Mit „keine Rückschritte zu machen“ ist nicht gemeint, auf Veränderungen oder aktuelle Geschehnisse überhaupt nicht mehr zu reagieren! Es bedeutet, auf Veränderungen in einer reifen und wohlüberlegten Art zu reagieren und erforderliche Maßnahmen einzuleiten! Instinktgesteuerte Maßnahmen, die die Angstspirale weiter anfeuern, helfen nicht –  im Gegenteil, sie beschleunigen den Rückfall !

Was ist damit gemeint?

Es hilft einfach, auf der einen Seite wach zu sein und auf der anderen Seite nicht gleich auf alles panisch zu reagieren, solange keine akute Gefahr besteht!  Es ist enorm wichtig, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen und aus verschiedenen Perspektiven auf die Situationen und Probleme zu schauen! Das macht einen großen Unterschied! So kommst du zu mehr Selbstbestimmung und dadurch auch zu mehr Freude am Leben.

Einfaches Beispiel aus dem Leben,  wenn das Instinktsystem überreagiert:
Du gehst zusammen mit deinem Schatzi spazieren. Plötzlich wirst du von deinem Schatzi ruppig zur Seite gedrängt!

Wie reagierst du automatisch? Welche Gefühle tauchen auf? Wie stehst du in dem Moment zu deinem Schatzi? Was empfindest du für deinen Schatzi in dem Moment?

Ist es Freude, Dankbarkeit oder Liebe? Oder herrscht gerade eher Groll, Wut und Gereiztheit? 

Und dann drehst du dich um und siehst, dass eine tiefe Pfütze auf dem Weg war. Beim genauen Hinschauen ist es eine echt tiefe Pfütze  – so ein richtiges Loch, voll mit Wasser gefüllt. Du wärst wahrscheinlich schwer gestürzt und dreckig geworden. Und wie ist jetzt dein Gefühl? Wie ist jetzt dein Gefühl für deinen Schatz? Verändert sich etwas?

Dieses Limbische System reagiert automatisch und sehr schnell und das ist auch total  hilfreich, wenn es um echte Gefahren geht. Doch leider neigen wir in unserer heutigen komplexen und schnelllebigen Welt auch sehr schnell und sehr häufig zu Fehleinschätzungen!

Welche Situationen kennst du aus deinem Leben, auch schon aus der Kindheit, in denen dein Überlebensinstinkt dir tatsächlich geholfen hat und in denen er dir echt geschadet hat?

Nimm dir ruhig einen Moment, schreib es dir mal auf!

Oder am besten, schreib es doch gleich hier in das Kommentarfeld, dann kann ich ggfs. darauf antworten oder im nächsten Beitrag darauf eingehen.

Im nächsten Beitrag geht es weiter – denn auch der nächste Instinkt entscheidet maßgeblich darüber, wie wir uns fühlen. Ob wir in Angst leben, Sorge, Unzufriedenheit … oder in Freude, Glück, Sicherheit, Zufriedenheit …

Alles Liebe

Michael

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